Franz und Sue ZT GmbH, Wien

mit idealice Landschaftsarchitektur ZT, Wien

Ein grüner verkehrsberuhigter Boulevard begleitet den Schulcampus von Süden nach Norden in Richtung Schafhof. Der charakteristische Baumbestand bleibt erhalten und bildet einen Puffer zur gegenüberliegenden kleinteiligen Wohnbebauung am Biernerberg. Die beschriebene Idee eines kräftigen grünen Bandes entlang der Straße ist schön, jedoch entwickelt dieses noch nicht die wünschenswerte städtebauliche Kraft.

Die Qualität des Entwurfs liegt in der zentralen Entwurfsidee des großzügigen zentralen Platzraums im künftigen Campusgebiet. Dieser dient sowohl als Ort des An- und Abfahrens der 10 Busse als auch als zentraler Treffpunkt für Schüler und Nachbarschaft, bietet einen Mehrwert für den künftigen Campus. Die Vermeidung eines optischen Durchschusses der Wippenhauser Straße ist ein guter Beitrag für die Stadtentwicklung an dieser Stelle. Jedoch ist der Platz nicht konsequent genug ausformuliert; das Versprechen eines großzügigen Platzes kann noch nicht eingelöst werden, da die Verkehrsachse den Platz optisch durchschneidet. Ansätze für eine gesamtheitliche Betrachtung zeigen sich in dem einheitlichen Bodenbelag von Ost nach West, jedoch konterkariert die Grünsetzung diese Idee und betont den Verlauf der Wippenhauser Straße. Die Vernetzung des Campusplatzes mit dem höhergelegenen Grünzug und den dort gelegenen Sportflächen könnte präziser ausgebildet werden. Deren barrierefreie Erreichbarkeit sollte selbstverständlich sein. Wünschenswert wäre eine überzeugende Platzgestalt, die der zentralen Idee und Nutzung gerecht wird, und von der aus auch die Erschließung der umgebenden Schulgebäude organisiert werden kann. Die Anlieferung der Berufsschule sollte an weniger prominenter Stelle situiert werden können.

In ihrer Maßstäblichkeit fügt sich das Gebäudeensemble der geplanten Berufsschule in den Kontext des bestehenden südlichen Schulareals ein. Die mäandrierenden Aufweitungen zum Straßenraum werden positiv bewertet.

Die Qualität der Arbeit liegt im routinierten Umgang mit dem Bauprogramm und der Funktionalität der neuen Berufsschule im ersten Bauabschnitt. Mit der städtebaulichen Setzung von drei gegeneinander versetzten kubischen Hofschulhäusern die im Inneren durch eine gemeinsame Magistrale erschlossen sind, schafft der Verfasser eine kompakte Lösung. Der Baukörper der Sporthalle liegt vor der westlichen Hangkante und ergänzt das Ensemble in sinnvoller Position. Der Eingang in die Schule liegt zwar zentral an einem gut proportionierten Vorplatz, der aber unzureichend von der Wippenhauser Straße erschlossen wird. Positiv bewertet wird sowohl die nördliche Positionierung der Tiefgaragenzufahrt als auch die Situierung der dezentralen Fahrradabstellablagen vor den Schuleingängen.

In der Umsetzung des städtebaulichen Ideenteils sind Defizite erkennbar. Die Fügung und stadträumliche Qualität der Einzelbaukörper für Schulerweiterungen und Wohnen ist kraftlos, die Kleinteiligkeit in Bau- und Raumgestalt trägt nicht zur Adressbildung am Campus bei. Die Potenziale der Stadteingangssituation in Norden werden nicht ausgeschöpft, dies betrifft zum Beispiel das Entree des Schafhofs und den Vorschlag zur DEULA-Erweiterung. Die Vorplatzsituation vor der Berufsoberschule bleibt ungelöst, hier wird leider kein räumliches Angebot gemacht.